Von Planungen und großen Überraschungen

Helene und Marco im Plenum
Helene und Marco im Plenum

An diesem Montagmorgen machten uns die Ausläufer des Taifuns Wongfong zu schaffen. Es stürmte und regnete kräftig, und in unserer Zeltstadt wurde es ganz schön ungemütlich. Uns "Voice for Biodiv" konnte das aber nicht abhalten, pünktlich beim GYBN-Meeting zu sitzen und die neusten Entwicklungen zu besprechen. Heute sind in der ECO die ersten Nominierungen für den Dodo-Award zur "Auszeichung" der schlimmsten Delegationen hier auf der COP erschienen. Die Kandidaten führen mit ihren Vorschlägen, ihrer Kompromisslosigkeit und ständigen Störungen zur Verzögerung oder Schwächung der Ergebnisse der Verhandlung. Das muss die Welt erfahren! Kanada, Brasilien, Australien und Neuseeland behindern ein internationales, transparentes Regulierungsrahmenwerk für synthetische Biologie, d.h. neu entwickelte künstliche Organismen könnten völlig ohne Regeln aus den Laboren in die Ökosysteme entlassen werden und die Biodiversität dort zerstören.
Insbesondere ist auch das Vereinigte Königreich nominiert, da es in der EU-Delegation das Handeln der Gemeinschaft zu synthetischer Biologie blockiert, da es sich von der Unreguliertheit weiteres Wirtschaftswachstum verspricht. Die dritte Nominierung geht an die EU. Sie hat quasi in einem Nebensatz erklärt, dass sie die UN-Deklaration über die Rechte der Indigenen Völker nicht anerkennt - auch das ist einen Dodo wert. Wir werden zusammen mit der CBD-Alliance auch weiter wachsam sein und unsere Nominierungen in den nächsten Tagen fortsetzen.

Im GYBN-Treffen diskutieren wir außerdem weiterhin, ob eine Verleihung der Busy Bee zeitlich und sachlich möglich ist, da uns von Muttersprachlern gesagt wurde, dass das eigentlich keine sonderlich angesehene Bezeichung ist, denn sie steht für kreativlose Abarbeiter. Dann brach quasi über uns die Nachricht herein, dass wir ein weiteres Side-Event geben könnten, da die GYBN-Mitglieder aus SriLanka nicht anreisen können und daher ihre Side-event-Zeit frei wird. Vielleicht können wir ja etwas über die Rolle Jugendlicher im Meeresschutz erzählen? Wir vereinbarten ein Treffen mit Tim Packeiser vom WWF, der uns darin unterstützen möchte, und brainstormten im Laufe des Tages immer wieder. Am Abend dann stand unser Konzept. Ein ganz wichtiger Teil: Was möchtet ihr zuhause den Delegierten auf der COP sagen? Was denkt ihr über den Schutz der Meere?  Wir brauchen eure Ideen! http://piratepad.net/Ei3aaApPBL

Im Plenum passierte heute wenig Kontroverses, denn alle waren damit beschäftigt, das Inkrafttreten des Nagoya-Protokolls zu feiern. Erst am Nachmittag änderte sich dies. Überraschend und plötzlich wurden die Verhandlungen der COP zur Marinen Biodiversität wieder aufgenommen und ein sogenanntes Conference Room Paper verhandelt. Auch da gab es wenig Einwände - lag es daran, dass all die Spezialisten gar nicht zur Stelle waren? So mussten halt andere Vertreter ran - und es ging erstaunlich schnell vorwärts.

Bei den Side-events verfolgten wir heute eine Vorstellung verschiedener wissenschaftlicher Projekte in ländlichen Gebieten Asiens. So lernten wir z.B. die nachhaltige Gewinnung von Kautschuk aus Gummibäumen in Vietnam kennen. Immer wieder beeindruckend, mit welchen ausgefallenen Fragen man hier in Kontakt kommt!

Zum Abschluss des Abends besuchten manche von uns weitere Contact groups, während Eva und Alex sich noch mit den anderen deutschen NGOs trafen. Bei einem gemütlichen Abendessen mit dem NABU-Präsidenten Olaf Tschimpke und BUND-Vorsitzenden Hubert Weiger wurden Ideen für das Treffen mit der deutschen und europäischen Delegation gesammelt. Dann ging es nach einem wie immer von unvorhersehbaren Ereignissen geprägten Tag erschöpft heim ins Hotel.


Text: Alexander Hoffmann

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